Schwere Nachblutung nach Kiefer-OP; Schwere Aspirationspneumonie mit Lungenarterienembolie und psychosomatischen Folgen

Aufgrund starker Schmerzen im Bereich der linken Gesichtshälfte wurde der Mann beim Zahnarzt vorstellig. Dort zeigte sich der Verdacht auf eine chronische Sinusitis maxiliaris links (Kieferhöhlenentzündung) und eine radikuläre Zyste an den Zähnen 23 und 24. Zur Behandlung wurde eine ambulante Kieferhöhlenoperation mit Wurzelspitzenresektion durchgeführt. Unter Lokalanästhesie wurde eine große Menge Eiter entfernt. Wegen eines großen knöchernen Defekts wurde zudem auch eine Rekonstruktion der Knochenhöhlenvorderwand mit einem Knochentransplantat vorgenommen und die Wunde mit einer PDS-Folie abgedeckt. Während der Nachbeobachtung kam es dann zu einer nicht zu stillenden Nachblutung, weshalb eine Einweisung ins Krankenhaus für eine Revisions-OP erfolgte. Dort wurde der Patient trotz der starken Blutung angewiesen, sich in Rückenlage hinzulegen. Hierdurch verschluckte er große Mengen Blut. Bei Einleitung der Vollnarkose kam es dann zu einem massiven Bluterbrechen und nachfolgender Blutaspiration. Es folgte eine intensivmedizinische Behandlung mit Analgosedierung und sieben Tage künstlichen Komas. Zudem kam es zu einer schweren Aspirationspneumonie mit hohem Fieber. Im weiteren Verlauf kam es bei einem kurzen Spaziergang zu Atemnot und einer Synkope. Auch Brustschmerzen traten auf. Schließlich wurde in einer Thorax-CT-Untersuchung eine Lungenarterienembolie festgestellt. Da sich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus keine Besserung der Beschwerden zeigte, wurde der Mann erneut in ein Krankenhaus eingewiesen. Dort zeigten sich erweiterte kardiale Abschnitte und eine pulmonale Hypertonie als Folgen der Lungenembolie. Der Patient litt weiterhin an Schmerzen im gesamten Körper, Luftnot, Herzrasen, Schwindel, Kopfschmerzen und Kraftlosigkeit. Im Rahmen einer psychosomatischen Behandlung wurden eine depressive Störung, eine Somatisierungsstörung und eine Panikstörung festgestellt, die als Folge der traumatischen Erlebnisse während der Kieferoperation und Krankenhausbehandlung aufgetreten sind.
Der Befunderhebungsfehler des Krankenhauses ist in dem verspätet eingeholten Thorax-CT zur Diagnose der Lungenembolie zu sehen.


Aktenzeichen:
63/14

Zahlbetrag:
EUR 185.000,00

Abschluss:
10/2025; gerichtlicher Teilvergleich
Oberlandesgericht München, Az.: 1 U 128/23 e gegen Krankenhaus;
Verfahren gegen MKG-Chirurg läuft weiter



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